Elden Ring: Nightreign
Wenn FromSoftware das Soulsborne-Prinzip für den Koop neu erfindet – und es erstaunlich gut klappt
Getestet auf: PC (RTX 4080) & Nintendo Switch 2
Von der weiten Open World zur fokussierten Arena
Elden Ring war 2022 ein Solo-Erlebnis von gewaltigem Ausmaß – eine offene Welt, die zum stundenlangen, einsamen Verlieren einlud und in der jeder Winkel eine eigene kleine Geschichte zu erzählen schien. Kooperatives Spiel war zwar möglich, aber umständlich, an enge Regeln gebunden und nie das Herzstück des Designs. Nightreign dreht dieses Fundament radikal um: An die Stelle einer schier endlosen Welt für eine einzelne Person tritt eine bewusst verdichtete, überschaubarere Karte, die von Grund auf auf das Zusammenspiel von bis zu drei Personen ausgelegt ist.
Das ist ausdrücklich kein klassisches Add-on und keine bloße Erweiterung, sondern ein eigenständiges Spiel mit eigener Struktur, eigener Zielsetzung und einer mutigen Genre-Mischung. Nightreign verbindet das vertraute Soulsborne-Kampfgefühl von FromSoftware mit den Prinzipien des Roguelite – immer neue Durchläufe, wechselnde Ausrüstung – und würzt das Ganze mit einer Prise Survival-Hektik. Wer beim Studio reine Fortsetzungen erwartet, wird hier mit einem echten Experiment konfrontiert.
Der Drei-Nächte-Loop
Ein Durchlauf in Nightreign folgt einem klaren, gut getakteten Rhythmus. Drei Spieler landen gemeinsam auf der Karte und beginnen sofort damit, Ausrüstung, Runen und Verbesserungen zu sammeln, kleinere Lager auszuheben und Zwischenbosse zu stellen, um schnell an Macht zu gewinnen. Eine sich kontinuierlich zusammenziehende Gefahrenzone – ein Element, das erkennbar bei anderen Mehrspieler-Genres Anleihen nimmt – treibt die Gruppe dabei immer weiter in Richtung Kartenmitte und verhindert allzu zögerliches Vorgehen. Nach zwei durchgespielten Nächten, die jeweils in einem fordernden Bosskampf gipfeln, wartet in der dritten Nacht ein gewaltiger, finaler Endgegner.
Fällt die Gruppe an irgendeinem Punkt dieser Kette, beginnt der Lauf von vorn – mit neuer Ausrüstung, einer möglicherweise anderen Aufstellung und der angesammelten Erfahrung des gescheiterten Versuchs. Dieser Loop ist kurzweilig, gut nachvollziehbar und entwickelt schnell einen ausgeprägten Sog: Eine einzelne Partie ist lang genug, um sich bedeutsam anzufühlen, und kurz genug, um nach einer Niederlage sofort den nächsten Anlauf zu wagen.
Die Klassen: die Nightfarer
Statt eines völlig frei geformten Charakters wählt man in Nightreign eine von mehreren vorgefertigten Klassen, die sogenannten Nightfarer. Jede dieser Klassen bringt eine klar umrissene Rolle, ein eigenes Fähigkeitenset und ein deutlich unterschiedliches Spielgefühl mit – von der robusten Frontkämpferin, die gegnerische Aufmerksamkeit auf sich zieht, über bewegliche Spähertypen bis hin zu unterstützend ausgerichteten Magieanwendern. Erst das durchdachte Zusammenspiel dieser Rollen macht eine Gruppe wirklich schlagkräftig.
Genau hier entsteht die besondere Dynamik des Spiels: Eine gut abgestimmte Dreierkonstellation deckt Schwachstellen gegenseitig ab, kombiniert Fähigkeiten zu wirkungsvollen Kettenaktionen und entwickelt im Idealfall eine fast wortlose Verständigung. Die fest umrissenen Klassen sorgen zudem dafür, dass jeder Durchlauf je nach gewählter Figur anders verläuft, was die Wiederspielbarkeit deutlich erhöht.
PC gegen Nintendo Switch 2: der Plattformvergleich
| Aspekt | PC (High-End) | Nintendo Switch 2 |
|---|---|---|
| Auflösung | 4K oder 1440p, nativ | 1080p im Dock, 720p mobil |
| Bildrate | 60 bis 120 fps möglich | Stabile 60 fps im Dock |
| Ladezeiten | Unter 5 Sekunden (NVMe) | Etwa 12 bis 15 Sekunden |
| Detailgrad | Voll ausgereizt | Reduziert, aber sauber umgesetzt |
| Koop-Stabilität | Sehr gut | Stabil, minimal höhere Latenz |
| Portabilität | Nicht vorhanden | Klare Stärke der Plattform |
Boss-Design auf gewohntem Niveau
Worauf bei FromSoftware seit jeher Verlass ist, ist das Boss-Design – und Nightreign enttäuscht diese Erwartung nicht. Die großen Gegner sind wuchtig in Szene gesetzt, optisch eindrucksvoll und mit Angriffsmustern ausgestattet, die fordernd, aber stets lesbar bleiben. Wer die Muster studiert und im richtigen Moment reagiert, wird belohnt; wer hektisch agiert, wird bestraft – die vertraute, faire Härte der Serie ist voll erhalten.
Im Zusammenspiel zu dritt erhält jeder Bosskampf jedoch eine zusätzliche Ebene. Es entsteht ein hektisches, mitreißendes Wechselspiel aus dem Verteilen gegnerischer Aggression, dem Wiederbeleben gefallener Mitstreiter unter Zeitdruck und blitzschnellen taktischen Entscheidungen. Diese Gruppenchoreografie, halb geplant und halb improvisiert, gehört zum Mitreißendsten, was das kooperative Spiel derzeit zu bieten hat.
Solo gegen Koop
So stark Nightreign im Dreierteam funktioniert, so deutlich verschiebt sich das Erlebnis im Alleingang. Solo ist durchaus spielbar, verlangt aber spürbar mehr Geduld, ein vorsichtigeres Vorgehen und verzeiht Fehler erheblich weniger. Vor allem aber entfällt im Einzelspiel genau jene Gruppendynamik, die das Herzstück des Spiels bildet – das Abstimmen, das gegenseitige Aushelfen, die geteilte Anspannung im Bosskampf. Nightreign ist erkennbar als kooperatives Erlebnis konzipiert, und wer dauerhaft keine festen Mitspieler zur Verfügung hat, sollte das vor dem Kauf ehrlich bedenken.
Was die Fangemeinde spaltet
Nightreign ist ganz bewusst kein zweites Elden Ring, und genau das sorgt innerhalb der FromSoftware-Anhängerschaft für geteilte Meinungen. Die ruhige, kontemplative Erkundung, das Gefühl, sich in einer riesigen, geheimnisvollen Welt zu verlieren, die langsame, fast meditative Annäherung an einen Ort – all das tritt hier zugunsten eines schnellen, sessionbasierten Loops in den Hintergrund. Wer das Studio gerade für jene einsame, atmosphärische Tiefe schätzt, wird von Nightreign weniger abgeholt. Wer dagegen vor allem die Kämpfe, die Bosse und das reine Gefechtshandwerk in den Vordergrund stellt, findet hier ein erstaunlich frisches, eigenständiges Konzept.
Die Switch-2-Fassung im Detail
Wer befürchtet hatte, der Port würde wie manch früherer FromSoftware-Titel auf schwächerer Hardware aussehen, wird angenehm überrascht. Die Switch-2-Version hält im Dock-Betrieb stabile 60 Bilder pro Sekunde – ein für diese Art Spiel entscheidender Wert. Die Texturqualität und einige Effekte sind gegenüber der PC-Fassung reduziert, was im direkten Vergleich sichtbar ist, im laufenden Spiel aber nur selten negativ auffällt. Im mobilen Betrieb bei 720p bleibt das Bild ansehnlich und gut spielbar.
Für einen kooperativen Soulsborne-Ableger, den man unterwegs auf dem Sofa oder im Zug spielen kann, ist das ein echter Gewinn – und zugleich ein Beleg dafür, dass die neue Nintendo-Hardware technisch ernster genommen werden will als ihre Vorgängerin. Die längeren Ladezeiten und die minimal höhere Netzwerklatenz sind der Preis der Portabilität, fallen im Alltag aber kaum ins Gewicht.
Wie das Spiel anderswo aufgenommen wurde
Nightreign wurde von Presse und Spielerschaft überwiegend positiv, aber spürbar kontroverser aufgenommen als das gefeierte Hauptspiel. Viele Besprechungen loben den frischen, mutigen Ansatz und die hervorragende Koop-Dynamik, während kritische Stimmen den geringeren Erkundungsanteil und die schwächere Solo-Erfahrung bemängeln. Das Bild eines gelungenen, aber polarisierenden Experiments zieht sich durch nahezu alle Einschätzungen – und deckt sich mit unserem Test.
Fazit
Nightreign ist ein gewagtes Experiment, das in seinen zentralen Punkten aufgeht. Mit den richtigen Mitstreitern ist es eines der mitreißendsten kooperativen Erlebnisse des Jahres und beweist, dass FromSoftware auch abseits ausgetretener Pfade zu überzeugen weiß. Wer ein Trio zusammenbekommt, sollte unbedingt zugreifen – wer ausschließlich solo unterwegs ist, sollte die Erwartungen entsprechend justieren.
Staerken
- Mitreißende, dichte Koop-Dynamik zu dritt
- FromSoftware-typisch herausragendes Boss-Design
- Kurzweiliger, motivierender Roguelite-Loop
- Der Switch-2-Port fällt überraschend solide aus
- Hohe Wiederspielbarkeit durch wechselnde Klassen
Schwaechen
- Solo deutlich weniger befriedigend als zu dritt
- Kleinere, fokussiertere Karte als das Hauptspiel
- Die Switch-2-Fassung zeigt sichtbare grafische Abstriche
- Wenig klassische Erkundung, dafür klarer Arena-Fokus
Nightreign ist FromSoftwares mutigstes Experiment seit Sekiro – und es geht auf. Für PC-Spieler mit zwei Mitstreitern ist der Titel beinahe Pflicht. Die Switch-2-Version ist eine solide Umsetzung mit dem Trumpf der Portabilität; sie liegt grafisch sichtbar hinter der PC-Fassung, ist aber kein Deal-Breaker. Wer ausschließlich allein spielt, sollte sich des klaren Multiplayer-Fokus bewusst sein.
Genre: Action-Adventure